Definieren wir uns in Zukunft noch über die Arbeit?

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(c) gettyimages/Westend61
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Arbeit ist heute für viele Menschen ein identitätsstiftendes Merkmal. Was können Unternehmen tun, um ihren Mitarbeitern Identifikation zu ermöglichen?

Überall wird fleißig vor sich hin innoviert. In allen Unternehmen ist man plötzlich technisch bereit, doch menschlich heillos überfordert. Jene, die ängstlich sind, werden in der Arbeitswelt überrannt, statt mitgenommen. Die Welt ist im Wandel. Das führt zu Frustration und Erstarrung. Ein neues Konzept von Arbeit scheint unausweichlich. In welcher Weise beeinflussen die Veränderungen aber die Arbeitswelt von heute konkret? Wird Arbeit in Zukunft überhaupt noch von Bedeutung für uns sein? Und, wie können Unternehmen adäquat auf den Kulturwandel reagieren?

Hier liegt die Chance, aber auch die Aufgabe von Arbeitgebern, im Speziellen den HR-Abteilungen: Sie müssen beantworten können, worüber wir in Zukunft Identität finden werden, wenn sie Mitarbeiter anwerben – und nicht wieder verlieren wollen.

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Warum wir ein neues Konzept von Arbeit brauchen

Wir kennen es alle: Ab einer gewissen Bildungsstufe muss man sich etwas Neues suchen, um in der persönlichen Entwicklung weiterzukommen. Ähnlich verhält es sich mit der Arbeitswelt. Wir befinden uns – im übertragenden Sinne – auf der letzten Stufe der Aufklärung auf einer Art Emanzipationsplateau: Durch unsere umfassende Bildung sind wir an einem Punkt, an dem es keinen rationalen Grund mehr gibt, sich in eine infantile Abhängigkeit von einem Arbeitgeber zu begeben. Die logische Konsequenz ist, sich von der nächsten einengenden Struktur abzunabeln. Wir spüren diese Dynamik allerorten. Stabil wird zu agil, Old Work zu New Work. Eigenverantwortung und selbstständiges Entscheiden machen keine Angst mehr, sondern werden positiv bewertet. Unabhängigkeit in Co-Working-Spaces und Tandemmodellen bezahlt man ganz natürlich mit größerer (finanzieller) Unsicherheit.

Was nach dem Job für die Ewigkeit kommt

Den einen Beruf fürs Leben – wie ihn vergangene Generationen anstrebten – gibt es nicht mehr. In der neuen digitalisierten Arbeitswelt bietet sich via Remote die Freiheit viele Jobs nebeneinander zu haben. Das erweitert natürlich auch die Möglichkeit seinen vielseitigen Interessen und Facetten Raum zu geben. Die Jobtesterin und Autorin Jannike Stöhr spricht beispielsweise davon, Arbeit nicht mehr in Berufen, sondern in Tätigkeiten zu denken.

Was sich wahrscheinlich als nächstes wandeln wird, ist der Stellenwert von Arbeit. Es geht in den westlichen Gesellschaften heute nicht einfach um Broterwerb, und auch nicht um die Sicherung eines Lebensstandards. Sondern vielmehr ist Arbeit identitätsstiftendes Merkmal der Leistungsgesellschaft. „Was arbeitest Du?“ ist nicht ohne Grund der beliebteste deutsche Smalltalk-Opener. Und genau das ändert sich gerade durch KI und Digitalisierung. Arbeit wandelt sich vom Müssen zum Wollen. Verliert Arbeit aber als solche an extrinsischer Relevanz, stellt sich die Frage, wie und worüber man sich als Einzelner, aber auch als Gemeinschaft über Leistung hinaus definieren kann?

Wie Unternehmen zukünftig Identifikation ermöglichen können

Ein Mitarbeiter braucht in Zukunft mehr als gute Bezahlung, um sich für eine Arbeitsstelle zu entscheiden, bzw. bei ihr zu bleiben. Denn, es ist ein Unterschied, ob man aus Existenzangst – wie vielfach in Old Work der Fall – oder aus Verbundenheit bleibt. Dafür reichen Obstkörbe und Überstundenausgleich nicht aus.

In New Work geht es darum, seinen Mitarbeitern zu geben, was sie wollen, nicht nur, was sie brauchen. Die Währung, in der man seine Mitarbeiter heute und in Zukunft  bezahlen kann, ist – neben finanzieller Entlohnung – die Möglichkeit, sich im Unternehmen frei entfalten zu können.

Konkret bedeutet das: Schaffe Freiheitsgrade, die es Mitarbeitern ermöglichen den Kulturwandel aktiv mitzugestalten. Bediene dich der Fähigkeiten und Kompetenzen deiner Mitarbeiter, und gib ihnen gleichzeitig Raum, diese weiterzuentwickeln und zurück zu spiegeln. Und zu guter Letzt: Erzeuge ein Gefühl von Gemeinschaft.

Warum Zugehörigkeit wichtiger ist als Tätigkeit

Denn klar ist: Verliert die eigentliche Tätigkeit an Bedeutung wird es umso wichtiger, mit wem, unter welchen Bedingungen und mit welcher übergeordneten Intention sie ausgeführt wird. Bei Old Work hieß die Frage: Welchen Beruf möchte ich ausüben? Im Fall von New Work muss sie lauten: Welcher Gemeinschaft will ich angehören?

Das setzt von Unternehmensseite eine starke Haltung voraus: Stichwort Purpose. Und, eine klare Vision , wie die gemeinsame Arbeitszeit aussehen kann. Machen Sie sich also vor allem Gedanken, wie Sie und Ihr Unternehmen arbeiten wollen. Und finden Sie so eine zwar fachlich und persönlich möglichst heterogene, aber mental ähnlich motivierte Mannschaft für Ihre Unternehmungen: Der gemeinsame Sinn ist entscheidend, um im Wirrwarr globalisierter Konzernverflechtungen die richtigen Antworten – und Innovationen – geben zu können.

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