Wer ins Ausland geht, verdient mehr

10.12.2019  |  Senta Gekeler
Deutsche Arbeitnehmer, die ins Ausland ziehen, haben dort meist ein höheres Nettogehalt.
© gettyimages / John Rowley

Junge, gut ausgebildete Deutsche gehen laut einer Studie besonders häufig für einen Job ins Ausland. Das lohnt sich für sie vor allem finanziell.

Deutsche Arbeitnehmer, die für einen Job in ein anderes Land ausgewandert sind, können sich in den meisten Fällen über ein höheres Gehalt freuen. Das ist das Ergebnis der „German Emigration and Remigration Panel Study“ des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Demnach erhöht sich der monatliche Nettoverdienst von Vollzeitbeschäftigten durch einen Umzug ins Ausland durchschnittlich um knapp 1.200 Euro – selbst wenn man die Kaufkraftunterschieden zwischen Deutschland und den verschiedenen Zielländern berücksichtigt. Befragt wurden über 10.000 deutsche Staatsbürger, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ins Ausland gezogen oder aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt sind.

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Auslandsaufenthalt als Chance

Berufliche Gründe sind für deutsche Beschäftigte der häufigste Grund für einen längeren Auslandsaufenthalt. 58 Prozent der Befragten gaben an, für eine berufliche Chance ausgewandert zu sein. 29 Prozent folgten der Partnerin oder dem Partner ins Ausland, weil sie oder er dort ein interessantes Jobangebot erhalten hatte. Auch der eigene Lebensstil (46 Prozent), Familie und Partnerschaft (36 Prozent) und ein Studium (20 Prozent) sind Gründe, aus denen Arbeitnehmer in ein anderes Land ziehen.

Nur 18 Prozent haben Deutschland verlassen, weil sie dort mit ihrem Leben unzufrieden waren. Marcel Erlinghagen, Professor an der Universität Duisburg-Essen und einer der Studienautoren, schließt aus dem Ergebnissen, dass vor allem diejenigen ins Ausland gehen, die bereits in Deutschland erfolgreich waren und den nächsten Karriereschritt planen.

Auswanderer sind hochqualifiziert

Tatsächlich sind es vor allem junge, gut ausgebildete Menschen, die für längere Zeit ins Ausland gehen. Die Auswanderer sind durchschnittlich 36,6 Jahre alt und liegen damit rund zehn Jahre unter dem Alter der Gesamtbevölkerung. Etwa drei Viertel von ihnen haben einen Hochschulabschluss. Zum Vergleich: In der gesamten deutschen Bevölkerung machen Hochschulabsolventen nur gut ein Viertel aus.

Einen dauerhaften Verlust von Fachkräften müssen deutsche Unternehmen aber dennoch nicht befürchten, denn die Auslandsaufenthalte sind in vielen Fällen zeitlich begrenzt. Im letzten Jahrzehnt zogen durchschnittlich 180.000 Deutsche ins Ausland, 129.000 jährlich kehrten zurück – mit internationaler Erfahrung und neuen Fähigkeiten, von denen auch die Unternehmen in Deutschland nur profitieren können.