Ein Knigge für die Kommunikation mit Talenten

Auch für Unternehmen gibt es Richtlinien: Mit diesen Tipps gelingt ein wertschätzender, offener und professioneller Umgang mit Talenten im Bewerbungsprozess.
© gettyimages / Ana Iacob

Auch für Unternehmen gibt es Richtlinien: Mit diesen Tipps gelingt ein wertschätzender, offener und professioneller Umgang mit Talenten im Bewerbungsprozess.

Den Knigge für Bewerbungen gibt es bereits. Allerdings spricht dieser meist nur Bewerberinnen und Kandidaten an und gibt ihnen Tipps, wie sie in Bewerbungen den richtigen Ton treffen. Was ist mit Unternehmen? Welche Regeln sollten sie befolgen? Wie verhält man sich Talenten gegenüber wertschätzend und offen? Hier ein paar Tipps und Ratschläge für einen professionellen und gleichzeitig persönlichen Umgang im Bewerbungsprozess.

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Inhaltlich:

„Wir bieten spannende Projekte …”
Genau das sagen auch hunderte andere Unternehmen. Wer seine Stellenanzeigen 1:1 von der Konkurrenz übernimmt, muss sich nicht wundern, wenn die Bewerbungen nicht in Masse hereinkommen. Die Anzeige ist der erste Touchpoint, mit dem Jobinteressierte in Berührung kommen. Hier sollte der USP gut sichtbar sein.

„10 Jahre Berufserfahrung, Führungserfahrung, Managementqualitäten …”
Seien Sie realistisch bei Ihrer Stellenausschreibung. Gerade wenn es um Diversität geht. Studien zeigen, dass sich ein Großteil der Frauen gar nicht erst für einen Job bewerben, wenn dieser eine Überqualifikation erfordert. Zum Vergleich: Männer bewerben sich oft auch, wenn sie nur einige der geforderten Qualifikationen vorweisen können.

„Inklusive Anschreiben …”
Wenn Sie noch zu denen gehören, die Anschreiben von ihren Bewerber:innen verlangen, lesen Sie jedes davon? Oder wenigstens ein paar? Falls nicht, geben Sie das bitte auch zu. Und verlangen Sie von Ihren Kandidatinnen und Bewerbern keine Texte (und damit Arbeit), die nicht gewürdigt werden. Viel nützlicher als ein klassisches Anschreiben sind doch persönliche E-Mails oder kurze Notizen, in denen die Jobinteressierte beschreiben, warum sie ausgerechnet bei Ihnen anfangen möchten. Viele große Unternehmen machen aber auch vor, wie es ohne Anschreiben geht: Ob bei Otto oder EOS – die Bewerbung ohne Anschreiben hat sich mittlerweile bewährt.

Technisch:

„Mail ist das neue Fax.”
Es sollte für Talente so einfach wie möglich sein, ihre Bewerbungen abzugeben. Während wir alle täglich mit Mails jonglieren und sie in der Business-Welt das normalste Kommunikationsmittel überhaupt sind – Personen aus der Gen Z nutzen keine E-Mails. Hier wären Messenger-Dienste wie Whatsapp auf jeden Fall eine bessere Idee, die näher an der Zielgruppe dran ist. Hierüber könnte Jobsuchende dann zum Beispiel Interesse an einer Stelle bekunden, ihr Linkedin- oder Xing-Profil verlinken – und auf den Anruf des Hiring Managers oder der Recruiterin warten. Das bedeutet nicht nur weniger Datenmüll, sondern auch nahbare Kommunikation.

„Von der Wiege bis zur Bahre …”
Formulare sind der Tod jeder kreativen Bewerbung. Je mehr Pflichtfelder es gibt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Personen, die sich bewerben möchten, sie alle ausfüllen. Und desto höher wird die Abbruchquote. Deshalb sollte die Userfreundlichkeit ganz oben auf der To-do-Liste aller Unternehmen stehen. Wenn beispielsweise durch ein Telefonat der erste Kontakt zu einer Bewerberin hergestellt wurde und erst dann das Ausfüllen eines spezifischen Formulars nötig wird, das am besten auch noch ansprechend gestaltet ist, ist dieser Schritt schon keine so große Hürde mehr.

„Rufen Sie nicht an, wir melden uns.”
Setzen Sie sich und den Talenten klare Timings und setzen Sie sich selbst Deadlines, bis wann Sie sich zurückmelden. Und geben Sie freundlich Auskunft über den Stand des Recruiting-Prozesses, falls jemand bei Ihnen nachfragt. Für noch mehr Transparenz sorgen hier auch Nachrichten von den Recruiting-Verantwortlichen, in denen die Kandidaten und Bewerberinnen darüber informiert werden, dass der nächste Prozessschritt erreicht wurde. Denken Sie daran: Service kann hier ein großer Pluspunkt für die Entscheidung für einen Arbeitgeber sein! Die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt hat die Relation zueinander geändert. Viele Arbeitgeber buhlen um wenige gute Talente, nicht andersherum!

Nach dem Recruiting ist vor dem Recruiting

„Hier ist der Vertrag. Bitte unterschrieben zurück!”
Sorgen Sie bei Ihren künftigen Mitarbeitenden für Wohlfühlatmosphäre und behandeln Sie sie, wie sie selbst gerne behandelt werden möchten. Schließlich sollem sich neue Hires ja auch willkommen fühlen. Ob online via Videocall oder live im Office: Ein gelungenes Onboarding ist das A und O. Informationen zum Unternehmen, zum ersten Arbeitstag, Tipps für die Umgebung des Büros … all das lässt sich auch wunderbar digital zur Verfügung stellen.

„Wir möchten Ihnen für Ihr Vertrauen danken …”
Absagen müssen nicht für immer sein. Und sie müssen auch nicht das Image einer Marke zerstören. Seien Sie nicht nur bemüht, geben Sie sich wirklich Mühe bei Absagen. Vielleicht bieten Sie denjenigen, die Sie persönlich getroffen haben sogar ein kurzes Feedbackgespräch an? Denn man sieht sich immer zweimal im Leben …

„Leichen im Keller …”
Auch Stellenanzeigen haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Deshalb nehmen Sie künftig alle Anzeigen offline, die bereits besetzt wurden.