Wie HRler auf die Corona-Krise reagieren können

Recruiting, HR-Kommunikation und Krisen-Management: Darauf kommt es laut einer Glassdoor-Studie jetzt an.
© gettyimages / South_agency

Worauf kommt es jetzt an? Tipps für Recruiting, HR-Kommunikation und Krisen-Management auf Basis einer aktuellen Umfrage unter Arbeitnehmenden.

Die Corona-Krise verunsichert viele Berufstätige, die bisher dachten: „In einem Angestelltenverhältnis kann mir nichts passieren!“ Das belegt auch eine aktuelle Umfrage, die wir unter Arbeitnehmenden in Deutschland durchgeführt haben, um mehr über ihre aktuelle Befindlichkeit herauszufinden. Für HR-Verantwortliche sind das die wichtigsten Erkenntnisse:

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Immerhin ein Viertel der Unternehmen stellt weiter ein

Die große Mehrheit der Arbeitnehmenden gab in unserer Umfrage an, dass ihr Arbeitgeber als Reaktion auf die Corona-Krise einen Einstellungsstopp verhängt hat. Dieser Befund ist angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht allzu überraschend und deckt sich mit den Verlautbarungen vieler Unternehmen. Überraschender ist da schon die Erkenntnis, dass einige Betriebe antizyklisch vorgehen. Fast jeder fünfte Befragte gibt an, dass sein Arbeitgeber derzeit weiter auf der Suche nach neuem Personal ist.

Ist die Krise also vielleicht sogar eine Chance für das Recruiting? Während ein Einstellungsstopp sicherlich das probate Mittel ist, um Arbeitsplätze fürs Erste zu sichern, blicken viele Personalabteilungen schon wieder nach vorne. Dabei geht es sicherlich nicht nur um Funktionen und Job-Profile, die gerade aufgrund der Corona-Krise stark nachgefragt sind wie etwa im Gesundheitssektor oder Lebensmitteleinzelhandel. Sondern im Hintergrund noch stärker um Berufsgruppen, die weiter stark umkämpft bleiben. Wer jetzt etwa das Recruiting von begehrten IT-Experten pausiert, der könnte nach überstandener Krise feststellen, dass die Personaldecke dünner geworden ist. Denn die natürliche Fluktuation sorgt ja dafür, dass weiter Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Wichtige Digitalisierungsprojekte könnten dann, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, nicht mehr in der gewünschten Geschwindigkeit umgesetzt werden.

Mein Tipp: Bei aller Vorsicht, identifizieren Sie Schlüsselpositionen, in denen Sie weiter einstellen müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Großes Vertrauen in das Krisenmanagement der Arbeitgeber

Fast drei Viertel der Befragten stimmten der Aussage zu, dass der eigene Arbeitgeber alles tut, um den eigenen Arbeitsplatz zu erhalten. Nur eine kleine Minderheit der Arbeitnehmenden ist vom Gegenteil überzeugt: So haben lediglich 8 Prozent der Befragten nicht den Eindruck, dass sich ihr Unternehmen mit vollem Einsatz der Rettung von Arbeitsplätzen verschrieben hat.

Auf dieses positive Feedback können Arbeitgeber zurecht stolz sein. Dem Großteil der Unternehmen ist es offenbar erfolgreich gelungen, die Belegschaft mitzunehmen und glaubwürdig zu vermitteln, gemeinsam mit ihr durch die Krise gehen zu wollen. Dieses gewonnene Vertrauen kann Gold wert sein, wenn die Krise überstanden ist. Arbeitnehmende werden das Engagement in Erinnerung behalten und es aller Wahrscheinlichkeit nach mit Treue danken. Aber es ist auch eine Gratwanderung. Noch kann keiner absehen, wie sich die Krise weiter entwickelt. Davon zeugt auch die große Sorge der Angestellten um ihre Jobs. Wer seiner Belegschaft zu vollmundige Versprechungen bezüglich der Job-Sicherheit macht, könnte es später bitter bereuen. Der Vertrauensverlust, der entstehen würde, wenn plötzlich doch Entlassungen anstehen, wäre in der Zukunft schwer zu reparieren.

Mein Tipp: Kommunizieren Sie einfühlsam, transparent und gerne auch optimistisch, aber schießen Sie nicht über das Ziel hinaus. Machen Sie keine Versprechungen, die Sie später nicht halten können!

Arbeitnehmende sind bereit, ihren Teil zur Krisenbewältigung beizutragen

Danach gefragt, was sie tun würden, um ihren Job zu retten, gaben mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden an, dass sie auf variable Gehaltsanteile verzichten würden. Nur 42 Prozent zeigten sich bereit, etwaige Gehaltskürzungen in Kauf zu nehmen, um einer Entlassung zu entgehen.

Die Chancen stehen also aktuell gut, dass sich Angestellte offen für gewisse Einschnitte zeigen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass Arbeitnehmende in Deutschland ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis haben und in der Regel länger bei einem Arbeitgeber verweilen. Sie sollten Ihre Belegschaft allerdings nicht zu sehr auf die Probe stellen. Dass nur weniger als die Hälfte der Arbeitnehmenden zu Gehaltsverzicht bereit ist, deutet darauf hin, dass etwa Kurzarbeit nur eine vorübergehende Lösung sein kann.

Mein Tipp: Ihre Belegschaft ist zu Opfern bereit, aber nicht um jeden Preis. Überlegen Sie zum Beispiel gut, ob Sie nicht bei Kurzarbeit das Nettogehalt über die gesetzlichen Regelungen hinaus weiter aufstocken.

Insgesamt zeugen die Umfrage-Ergebnisse von einer großen Verunsicherung angesichts der Corona-Virus-Pandemie. Hätten wir die Arbeitnehmenden in Deutschland vor einigen Wochen in Anbetracht von Rekord-Beschäftigungszahlen nach ihrem Befinden befragt, wäre das Votum sicherlich deutlich optimistischer ausgefallen. Nun geben mehr als die Hälfte der Angestellten zu Protokoll, mehr oder weniger Angst vor Jobverlust, Kurzarbeit und Gehaltseinbußen zu haben. Aber die Ergebnisse machen im Detail auch Hoffnung auf Besserung und zeigen auf, mit welchen Mitteln HR-Verantwortliche Retention und Recruiting in der Krise stärken können.

Über die Umfrage

Censuswide befragte im Auftrag von Glassdoor vom 2. bis 3. April 1.001 Arbeitnehmer:innen in Deutschland im Zuge einer Online-Befragung. Die Ergebnisse sind repräsentativ für abhängig Beschäftigte in Voll- und Teilzeit in Deutschland.