Wann war ein Jahr ein gutes Jahr?

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Foto: Thinkstock / Sasha_Suzi
Foto: Thinkstock / Sasha_Suzi

Haben Sie schon einen Augenblick Muße gehabt, um über das zu Ende gehende Jahr nachzudenken? Wahrscheinlich eher nein, weil der Advent ein schönes Beispiel für die Widersprüchlichkeit unseres Lebens ist.

Auf der einen Seite sprechen wir von einer besinnlichen Zeit, wünschen uns gegenseitig Zeit zum Innehalten und rasen doch gleichzeitig von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier. Wir schreiben uns Karten, die uns daran erinnern, an uns zu denken, und hetzen uns parallel dazu ab, ja für jeden das richtige Geschenk zu kaufen.

Wir könnten uns auf eine besondere Zeit am Ende eines Jahres freuen und doch arbeiten wir, als ob es kein Morgen gibt. Ausschlussfristen, die zum Jahresende ablaufen, gibt es tatsächlich nur wenige. Doch wir schaffen eine Illusion des Fertig-Werden-Wollens, die lediglich dazu führt, dass wir unter dem Weihnachtsaum einschlafen.

Statt uns an den Erfolgen des Jahres zu freuen, zu sehen und vor allem zu genießen, was vollbracht ist, hoffen wir vielleicht sogar, dass es schnell zu Ende geht und ein neues besseres komme. Denn sehr präsent sind meist die unangenehmen Dinge.

Was uns den positiven Blick auf das Jahr und das Leben verdirbt

Wir hoffen auf Verbesserungen von außen, statt sie selbst anzuschieben und sind unzufrieden, wenn sie nicht kommen.

Wir sind mit unseren Gedanken ständig irgendwo – wo es besser war oder sein könnte.

Wir haben den Eindruck, dass es so viel Schlechtes, Ärgerliches und Gefahren gibt, statt dies als Ausnahmen in einer funktionierenden guten Welt zu sehen.

Wir gewöhnen uns an Komfort, Gelingendes, Erfreuliches ganz schnell und sehen es nicht mehr.

Wir nehmen uns unrealistisch viel vor.

Unsere Ansprühe an uns, andere und unsere Arbeits- und Lebensbedingungen wachsen ins Uferlose und wir merken das nicht. Kaum haben wir etwas erreicht, gibt es etwas Besseres. Auf der Strecke bleibt unsere Zufriedenheit. Glück, das an Bedingungen hängt, ist unerreichbar.

Wir vergessen die Menschen. Andere genau wie uns. Wer in einem Meeting das Handy checkt, den Kinderwagen schiebt und SMS schreibt, beim gemeinsamen Abendessen fern sieht hat nicht nur die falschen Prioritäten, sondern wird auch immer gehetzter.

Wir erinnern uns besser, länger und öfter an Unerledigtes und Problematisches – das sind Mechanismen des Gehirns.

Sind wir gestresst, fahren wir mental fest. Es fehlt die Kraft zum Perspektivwechsel. Wir wiederholen Probleme immer wieder und verlieren dadurch gute Energie.

Zehn gute Gründe für den positiven Jahresrückblick

  1. Schöne Erinnerungen tun gut
    Eine tolle Firmenveranstaltung, ein Jubiläum, ein neuer Schreibtisch… Jeder gute Gedanke führt zu guten Gefühlen.
  2. Lächeln baut Stress ab
    Lächeln, egal aus welchem Grund, führt zu Entspannungsreaktionen im Körper.
  3. Sie investieren in Ihre Gesundheit
    Wer einen positiven Eindruck von seiner Gesundheit hat, stärkt diese. Dies wirkt unabhängig von objektiven Risikofaktoren.
  4. Sie stärken Ihr Team
    Die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson hat untersucht, dass Teams, die langfristig erfolgreich und mit geringer Fluktuation zusammen arbeiten, ein Verhältnis von mindestens ´drei zu eins an guten zu negativen Momenten erleben.
  5. Sie investieren in Resilienz
    Die Einordnung unseres Lebens und des Erreichten in einen größeren Sinnzusammenhang während eines Jahresrückblicks fördert das Sinnerleben, und Wohlbefinden und stärkt für die nächsten Herausforderungen.
  6. Sie lernen aus Erfolgen
    Wenn man gemeinsam die Frage beantwortet: „Wie haben wir das geschafft“, ist dies ein Optimismustraining für künftige – ähnliche schwierige – Situationen.
  7. Sie entwickeln sich
    Eine positive Grundhaltung und gute Gefühle erweitert die Perspektive und ermöglichen uns, zu lernen. Das hat die „Broaden-and-build-Theorie“ nachgewiesen.
  8. Sie erleben mehr Positives in der Zukunft
    Die Wissenschaft spricht von „Aufwärtsspiralen“. Aus einem guten Gefühl heraus nehmen wir mehr gute Dinge wahr, dadurch fühlen wir uns besser, verhalten uns anders, und das schafft neue positive Ereignisse, die unsere guten Erwartungen bestätigen.
  9. Sie sind ein gutes Vorbild
    In einem guten Zustand haben Sie in jedem Fall mehr Widerstandskraft und sehen mehr Positives. Das Gehirn arbeitet konzentrierter und lösungsorientierter. Wir sind weniger angreifbar und nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen wie bei Ärger oder Frust. Davon profitieren nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern auch Ihre Familien.
  10. Sie schaffen positive Erwartungen für 2018
    Die Art der Erinnerung bestimmt den Blick in die Zukunft. Wenn Sie auf das Gute und Glückliche achten werden Sie es künftig erwarten und finden. Es ist eine Trainingsfrage wo unser Fokus liegt. 

So gelingt der positive Jahresrückblick

Schaffen Sie sich eine angenehme Umgebung, in der Sie Ihren Rückblick abhalten. Notieren Sie Ihre Gedanken, sodass Sie sich auch später noch einmal daran erfreuen oder diese ergänzen können. Viel Spaß macht es, sich erst einmal ohne Hilfsmittel zu erinnern. Bleiben Sie geduldig. Wir erleben so viel. Dann nutzen Sie Hilfsmittel wie Kalender, Fotos, Nachrichten. Es gibt drei Kategorien:

  1. Das Außergewöhnliche
    Was gab es ganz besonderes, das Ihnen schnell wieder einfällt. Welches Projekt ist besonders gelungen. Welche Auszeichnung oder Prämierung? Welche Feste gab es? Welche beruflichen Chancen? Welche besonderen Reisen? Was haben Sie mit Freunden oder der Familie Besonderes erlebt? Erinnern Sie sich an Details. Dies steigert den Genuss.
  2. Scheinbar selbstverständliches
    Glück besteht eher aus einer Vielzahl an kleinen, feinen Dingen als aus den großen Ereignissen. Je eher wir das verstehen, umso schneller werden wir es fühlen. Also ran an den Alltag. Sehen Sie, was Sie geleistet haben. Was haben Sie gelernt, gewagt, getestet? Wo haben Sie gute Vorsätze gelebt? Lassen Sie auch die ersten Schritte oder eine kleine Verbesserung gelten! Sehen Sie mal wieder, wie viele Urlaubstage Sie (bezahlt) haben, dass das Mittagessen in der Kantine ganz gut ist oder dass Ihr Lieblingsmitarbeiter wieder eine besondere Weihnachtskarte geschickt hat. Dass Ihr Schreibtisch viel Platz hat und Ihr Bürostuhl der neusten Technik entspricht…
  3. Das Gute im Schlechten
    Was hat Ihnen Kummer oder Ärger bereitet. Das können Sie jetzt nicht mehr ändern. Es wird auch vom darüber Grübeln nicht besser. Stattdessen könnten Sie sich fragen, was Sie gelernt haben oder welche kleine gute Seite damit verbunden war. Wenn zum Beispiel das Budget für die Weiterbildung reduziert wurde, haben Sie auf der anderen Seite vielleicht eine neue Software bekommen, mit der Sie mehr Online Angebote machen können. Wurde Ihre Beförderung nicht bewilligt, haben Sie dadurch vielleicht pünktlich Feierabend und mehr Zeit für die Kids.

Bonus:
Fürchten Sie, Sie machen sich etwas vor, wenn Sie sich auf die guten Seiten konzentrieren, denn es gibt ja nicht nur diese? Ich habe keine Zweifel, dass Sie sich mit den ärgerlichen und aufregenden Dingen schon mehr als genug befasst haben, denn das geschieht ganz von allein. Gönnen Sie sich dieses Mal, dass Sie sich mit dem jetzt zu Ende gehenden Jahr wohlfühlen. Und wenn Sie die ruhigen Tage gleich für ein Training des positiven Denkens mit mir nutzen wollen, geht das mit diesem kostenlosen Download.