Recruiting in unsicheren Zeiten: Teil 3

Recruiting-Aktivitäten in Zeiten von Covid-19: Wie entwickeln sich die Zahlen im zweiten Lockdown? Das Softgarden-Dashboard zeigt die neuesten Trends.
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Recruiting-Aktivitäten in Zeiten von Covid-19: Wie entwickeln sich die Zahlen im zweiten Lockdown? Das Softgarden-Dashboard zeigt die neuesten Trends.

Zuletzt haben wir im September 2020 an dieser Stelle über den Einfluss der Covid-Pandemie auf die Recruiting-Aktivitäten in Deutschland berichtet. Grundlage waren die monatlich rund 100.000 Transaktionen von über 1.000 Unternehmen sämtlicher Branchen, Größen und Regionen, die die Recruiting Software von Softgarden nutzen. Gestützt auf die Juli- und Augustzahlen 2020 konnten wir damals feststellen, dass sich die Recruiting-Zahlen weiter stabilisiert hatten. Im Vergleich zu den Monaten des Vorjahrs gab es sogar ein Plus an Interviews und Einstellungen.

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In unserer Prognose gingen wir damals von davon aus, dass sich dieser Positivtrend im vierten Quartal des Jahres weiter stabilisieren würde. Die Entwicklung der Infektionszahlen sowie der seit November 2020 greifende Teil-Lockdown und der Mitte Dezember verkündete Lockdown haben das Bild im Softgarden-Dashboard jedoch noch einmal deutlich verändert.

Softgarden Dashboard Recruiting-Aktivitäten Oktober bis Dezember 2020
Quelle: Softgarden

Weitere Erholung im September

Die Zahlen aus dem September 2020 zeigen, dass der Positivtrend im Vergleich zum Vormonat zunächst anhält. Im September sind deutlich mehr Stellenausschreibungen (+21,6 Prozent) zu verzeichnen. Auch die Interviews nehmen im Vergleich zum August um 16,2 Prozent zu, die Bewerbungen um 6,1 Prozent, die Einstellungen immerhin noch um 8,3 Prozent. Hinzu kommt möglicherweise, dass die Recruiter versucht haben, ihre zwangsweise geringe Aktivität aus dem ersten Lockdown in den Monaten mit Positivtrend zu kompensieren. Hier gibt es sicher deutliche Unterschiede zwischen den Branchen, je nachdem ob es sich um von der Pandemiekrise besonders stark betroffene Branchen wie etwa den Textilhandel handelt oder um Branchen, die von der Krise profitiert haben (wie IT-Anbieter).

Deutlicher Rückgang ab Oktober – Abnahme bei allen Parametern

Ab Oktober kommt es dann zu einer negativen Wende: Die Zahl der Stellenausschreibungen nimmt im Vergleich zum Vormonat erstmalig wieder um 5,2 Prozent ab, die Zahl der Interviews leicht um 0,9 Prozent. In den Folgemonaten verstärkt sich dieser Trend und schlägt auf alle Parameter durch. So gibt es im November 9,5 Prozent weniger Stellenausschreibungen als im Vormonat, im Dezember sogar 20,4 Prozent, bei den Bewerbungen sind es im November 11,8 Prozent weniger und im Dezember 20,2 Prozent.

Rückgang im Recruiting – saisonal oder pandemisch?

Der Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass der Rückgang nicht nur saisonalen Charakter hat. Vielmehr deutet er auf die Negativeffekte der Verschärfung der Pandemie-Krise oder eine sich dadurch ergebende Eintrübung der Arbeitsmarktkonjunktur an. Zunächst steigt im September und Oktober die Zahl der Stellenausschreibungen noch deutlich zweistellig an, ab November tritt eine zunächst geringe Abnahme ein, die im Dezember mit 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eindeutig ist. Die Zahl der Bewerbungen nimmt demgegenüber bis zum Ende des Jahres zu, was darauf hindeutet, dass aufgrund der Krise mehr „freigesetzte“ Arbeitskräfte dem Markt zur Verfügung stehen. Die Zahl der Interviews nimmt unter dem Eindruck des Teil-Lockdowns ab November im Vergleich zum Vorjahr zunächst deutlich ab, die Entwicklung schwächt sich aber zum Jahresende ab. Auch die Zahl der Einstellungen erholt sich nach einer Delle im November im Dezember wieder und liegt am Jahresende 2020 doch deutlich über dem Niveau des Vorjahrs.

Was bedeutet das für Recruiter?

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitsmärkte und das Recruiting-Geschehen bleiben auch in den kommenden Monaten nur schwer kalkulierbar. In den ersten Tagen des Jahres 2021 schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass die Erwerbstätigkeit in Deutschland 2020 zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder abgenommen habe (FAZ vom 4. Januar 2021). Zugleich erinnerte die Tageszeitung daran, dass ein Thema nach der Corona-Krise schnell „wieder auf der Agenda stehen“ werde: der „enorme Fachkräftebedarf der Unternehmen“. Recruiter müssen vor diesem zweideutigen beidhändig agieren: sich darauf einstellen, dass sie noch monatelang unter verschärften Pandemiebedingungen rekrutieren und mit den entsprechenden Prozesseinschränkungen und -Veränderungen leben müssen. Und darauf, dass sie im Lauf des Jahres wahrscheinlich wieder stärker als aktuell mit der Herausforderung zu kämpfen haben, unter einem zunehmendem Wettbewerbsdruck im Recruiting zu agieren.
Für Unternehmen, die einstellen können, herrschen aktuell allerdings sehr gute Bedingungen. Es sind ungewöhnlich viele Fachkräfte auf dem Markt – bei einem reduzierten Arbeitgeber-Angebot der Wettbewerber. In absehbarer Zeit schließt sich dieses besondere Fenster wieder und es kehren die  gewohnt schwierigen Verhältnisse zurück. Recruiter können jetzt also kurzfristig handeln, um den mittel- und langfristig zu erwartenden Fachkräfteengpässen vorzubeugen.