3 Fragen an… Bernhard Fischer-Appelt

18.08.2020  |  HRM-Online-Redaktion
Der Agenturgründer Bernhard Fischer-Appelt über den Zukunftsoptimismus der Amerikaner:innen und seine Forschung zum Thema Zukunftsnarrative.
© Bernhard Fischer-Appelt

Der Agenturgründer Bernhard Fischer-Appelt über den Zukunftsoptimismus der Amerikaner:innen und seine Forschung zum Thema Zukunftsnarrative.

Herr Fischer-Appelt, Sie forschen seit 2018 an der Harvard University zum Thema Zukunftsprognosen. Dabei dreht es sich vor allem darum, Zukunftsnarrative zu entzaubern, zu dekonstruieren. Wie genau sind Sie auf dieses Thema gestoßen?
Bernhard Fischer-Appelt: Es gab im vergangenen Jahr eine Welle der „TechEthics”, bei der die Frage gestellt wurde, wie ethisch die Digitalisierung, wie verantwortlich künstliche Intelligenz ist. Mich hat das Muster hinter dieser Diskussion interessiert – anhand welchen Narrativs die Diskussion geführt wird. Narrative sind Erzählmuster wie die des „Amerikanischen Traums“ oder – in Deutschland – des “Wiederaufbaus” oder des „Technischen Fortschritts“.  Wir erklären und verstehen anhand von Narrativen die Welt, vermögen sie aber auch zu kritisieren. Bei diesen Mustern kommt zu Fakten aber auch viel Fiktion hinzu. Das zu erkennen, ist wichtig.

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Sie sagten einmal in einem Interview, dass Sie den Zukunftsoptimismus der Amerikaner:innen bewundern. Können Sie diesen seit der Corona-Krise als solchen noch beobachten?
Amerika ist erschüttert durch die Pandemie und die meisten Amerikaner können schwer mit dem Führungsdesaster leben, in dem sie sich befinden. In Amerika sind die Polaritäten deutlich größer als bei uns und sie werden auch mehr ausgelebt. Aber die USA sind auch ein Land, in dem man Optimismus und Aufbruch lernen kann, Anpacken und Selbermachen. Nach der Pandemie und Black Lives Matter sehen viele Amerikaner, dass sie ein neues Narrativ brauchen, ein neues gesellschaftliches Projekt, das Gemeinsamkeit stiftet.

Gibt es eine bestimmte Zukunftsprognose, an die wir Deutschen besonders stark glauben?
Wir Deutschen glauben im Moment an die Zukunft eines Staates, der gerecht ist, zentralistischer als früher und die Dinge gut regelt. Wir vertrauen darauf noch mehr als vor der Pandemie. Ich hoffe, dass Bürgersinn, Eigeninitiative, Unternehmertum und Innovationsgeist dadurch nicht ins Hintertreffen geraten.

Bernhard Fischer-Appelt, Jahrgang 1965, gründete 1986 zusammen mit seinem Bruder die Agentur Fischer-Appelt Kommunikation in Hamburg. Als Mitinhaber und Geschäftsführer befasst er sich insbesondere mit den Schwerpunkten Strategieberatung, Corporate Profiling, Change Management, Branding, Themenmanagement und Steuerung von Kommunikationsprozessen. Heute ist er kreativer wie strategischer Kopf des Führungsduos. In der Zeit von 1996 bis 2002 war er zudem Präsidiumsmitglied der GPRA. Von 2018 bis 2020 war er Fellow am Weatherhead Scholars Program der Harvard University.