Künstliche Intelligenz in der Anwendung

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Foto: Getty Images / THANANIT
Foto: Getty Images / THANANIT

Neues fasziniert. Neues macht Angst. Mal besiegt Vorsicht unsere Neugierde, mal überwiegt unsere Neugierde. Im letzteren Fall entwickelt sich Fortschritt.

Künstliche Intelligenz (KI) ist neu. Mit dem Sprachassistenten unserer Handys sind wir schon vertraut. Auch nutzen wir hochintelligente Software in den Fahrassistenzsystemen unserer Autos, die Leben rettet. Autonomes Fahren löst dagegen noch Vorbehalte aus.

Neue Technik fasziniert. Sie sollte uns keine Angst machen. Der Vortrag „Künstliche Intelligenz in der Anwendung“ erläutert an einem Praxisbeispiel den Einsatz von KI im Bereich Recruiting und Führungskräfteentwicklung. Dabei wird anhand einer Sprachprobe ein Führungsprofil des Teilnehmers erstellt. Die Analyse beginnt mit dem, was Mensch und Führung ausmacht: Sprache und Kommunikation. Das Ergebnis des etwa 10-minütigen Telefonates mit einem Computer führt zu konkreten Aussagen hinsichtlich Persönlichkeit, Veränderungsbereitschaft und Werteeinstellung.

Begriffe wie „Robo-Recruiting“ und Aussagen wie „Computer führen jetzt Vorstellungsgespräche“ sind als Verdichtungen richtig und falsch zugleich. Der Wert der KI besteht darin, die Zeit für den Erkenntnisgewinn signifikant zu verkürzen. Dabei misst und analysiert KI das, wofür sie programmiert worden ist. Ein vollumfängliches Bild vom Menschen erlangt sie dabei nicht.

Das vorausgeschickt, bleibt in der Praxis viel Raum für Neugierde ohne Angst. Die Sprachanalyse stützt sich auf etablierte psychologische Kriterien. Das Tool zerlegt die Sprachproben in Informationsbausteine und wertet sie aus. Die Daten werden anschließend zu belastbaren Aussagen über Ausprägungen und Entwicklungspotenzialen verdichtet. Eine derartige Digitalisierung zur Unterstützung des Einstellungsverfahrens hat entscheidende Vorteile: Geringere Kosten, enorme Schnelligkeit, die Möglichkeit für Bewerber, von überall auf der Welt daran teilzunehmen – und sie ist frei von Vorurteilen: Geschlecht, Alter, Aussehen oder Herkunft spielen für die Maschine keine Rolle. Talanx setzt die Erkenntnisse bei der Einstellung von leitenden Angestellten ein und darüber hinaus für die agile Transformation des Unternehmens.

Sprache ist das mächtigste Instrument der Führung. Die Grundstruktur der Persönlichkeit ist im Wesentlichen kaum veränderbar, die Wirkung der Sprache – und damit die Wirkung des Führungsverhaltens – hingegen schon. Aussagen zu Veränderungsbereitschaft und den persönlichen Werten, die der Kommunikationskultur zugrunde liegen, komplettieren die Analyse. Am Ende steht die Vision, dass sich aus der Sprachdiagnostik ein selbstlernendes System entwickelt, welches zu einer deutlichen Steigerung der Entwicklungsgeschwindigkeit von agiler Führung führt.

Während die grundlegende Analyse durch künstliche Intelligenz vorgenommen wird, verbleibt die letzte Entscheidung allerdings immer bei der Führungskraft: KI analysiert, der Mensch entscheidet.

Mit einem Augenzwinkern von menschlicher Intelligenz zu menschlicher Intelligenz: Die Menschheit setzt seit der Ursteinzeit auf neue, „riskante“ Technik (Hammer! Feuer!).

Die Technik dient dem Menschen und nicht umgekehrt, daraus entsteht Fortschritt. Willkommen in Zeiten der KI.

Autor Thomas Belker spricht zu diesem Thema auf dem diesjährigen Personalmanagementkongress – Mittwoch, 27. Juni, 10:30 bis 11:30 Uhr.

Weiterbildungen zum Thema Digitale Transformation und Future of Work und Personalmanagement