Die HR darf nicht nicht kommunizieren

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HUMAN RESOURCES MANAGER #53, Fokus: Kommunikation
HUMAN RESOURCES MANAGER #53, Fokus: Kommunikation

Wir können nicht nicht kommunizieren, resümierte der Philosoph und Psychotherapeut Paul Watzlawick. Wir sind in einem ständigen Austausch miteinander und mit uns selbst. Auch dann, wenn wir das gesprochene Wort nicht bemühen. Watzlawick selbst begründete seine Theorie, indem er Kommunikation mit Verhalten gleichsetzte: Demnach entspreche jede Form der Kommunikation einem Verhalten. Und man könne sich schließlich nicht nicht verhalten. Nun werden wahrscheinlich die New-Age-Jünger der Neurolinguistischen Programmierung aufschreien, schließlich ist ihnen zufolge das Wörtchen „nicht“ ja ganz was Ungesundes. Es negiere nur und schaffe nichts. Außerdem würde die positive Umformulierung eines negativen Inhalts uns doch alle in der auf Reibungslosigkeit bedachten neoliberalen Wirtschaftswelt viel weiter bringen.

+++ Dies ist das Editorial zur Ausgabe Kommunikation des Human Resources Managers. Eine Übersicht aller Ausgaben sowie einen Blick in die Ausgabe #53 erhalten Sie hier. +++ 

Offene Kommunikation schließt negative Aspekte nicht aus

Es mag ja richtig sein, dass der Fokus allein auf das Misslungene nicht besonders förderlich fürs Wohlgefühl ist und wir in einem zweiten Schritt die Kommunikation auf positive Aspekte lenken sollten, um ein Miteinander herzustellen. Doch kann eine Gemeinschaft nur entstehen, wenn auch die Grenzen derselben und das, was der Gemeinschaft abträglich ist, benannt werden. Offene Kommunikation sollte negative Aspekte nicht ausschließen, sondern das Kind beim Namen nennen.

Denn selbst wenn wir uns verbiegen und die Kommunikation ins wohlig-naive Licht der positiven Umformulierung schieben: Gedanken, Stimmungen, Einstellungen und Ansinnen lassen sich kaum langfristig verdrängen. Sie suchen sich immer ihren Weg, der, wenn Inhalte nur im Diffusen bleiben, in die Irre führen wird und Klarheit verhindert. Kommunikation ist also, selbst in ihrer unterdrückten Form, allgegenwärtig. Sie lässt sich nie umschiffen. Umso wichtiger ist es, ihre Beschaffenheiten zu verstehen, auch wenn diese interkulturell voneinander abweichen mögen, was die Angelegenheit natürlich komplizierter macht.

Die Sach- und Beziehungsebene im Fokus behalten

Wir mögen noch so bedacht darauf sein, die Sachebene in einem Gespräch im Fokus zu behalten, die Beziehungsebene bestimmt immer den Lauf einer Unterhaltung. Schließlich verrät jede Botschaft etwas über die Beziehung zwischen uns und dem Anderen. Es gibt, zu diesem Schluss ist auch Watzlawick gekommen, keine rein informative Kommunikation. Und weil wir alle aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen, uns vor dem Hintergrund divergierender Erfahrungen verhalten und daraus resultierend im Zweifelsfall auseinandergehende Interessen verfolgen, braucht es einiges an Geduld sowie ein grundlegendes Mitgefühl und ein immer wieder neu aufgebrachtes Verständnis für das Gegenüber, um nicht in einen Krieg aller gegen alle zu verfallen. Doch was, wenn uns gar nicht das vermeintlich gemeinsame Ziel verbindet, ein ausgewogenes Miteinander herzustellen? Wie geht man damit um, wenn der Andere sich einem Dialog versperrt, wie in der aktuellen politischen Gemengelage?

Wenn sich die irre Zerstörungswut ihren Weg bahnt, weil es so herrlich einfach ist, sie zu aktivieren, und in schäumender Rage weniger das Argument zählt, sondern die gellende Lautstärke, die sich archaisch in den Vordergrund grölt? Wie immer lohnt es sich zu fragen: Welchen Ursprung hat diese Raserei? Eine Antwort könnte im macht-politischen Sound gefunden werden: Wer dem Gegenüber sagt, eine Situation könne nur so und nicht anders gelöst werden und eine Alternative gebe es nicht, wer also die Kommunikation und den gesellschaftlichen Diskurs aufkündigt, wird erst Verstummte provozieren und dann Verstimmte ernten. Wir dürfen niemals den Diskurs, stets unter Wahrung des Anstands, aufkündigen. Andernfalls droht der bellum omnium contra omnes.

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