Bewerberkommunikation im Zeichen von Corona

Recruiting-Kolumne von Henner Knabenreich auf Human Resources Manager
Henner Knabenreich © Quadriga / Maria Navas Carrillo

Unternehmen, die trotz Covid-19 neue Mitarbeiter suchen, sollten das unbedingt offen kommunizieren. Henner Knabenreich erklärt, worauf es dabei ankommt.

Trotz (oder auch gerade wegen) Corona: In vielen Unternehmen und Branchen wird weiter Personal gesucht, es wird weiter eingestellt, ja, es wird sogar weiter „ongeboardet“, wie man so schön neudeutsch sagt. Nur – woher soll ein potenzieller Bewerber das wissen? Woher soll er wissen, dass trotz Corona weiterhin eingestellt wird? Am einfachsten wäre es, genau das offen zu kommunizieren. Aber genau das tun die wenigsten.

Das zumindest offenbart ein Blick auf die Stellenanzeigen dieser Republik. Stand heute (5. Mai 2020) listet beispielsweise das Jobportal StepStone 717 von derzeit 55.623 Stellenanzeigen, die den Begriff „Corona“ irgendwo beinhalten. Bei „Covid“ sind es 216. In Summe sind das gerade einmal 1,7 Prozent der gesamten Ausschreibungen. Dabei ging es mir in meiner Stichprobe nicht um Stellentitel wie „#Coronahelden“ oder „Pädagogische Teamleitung (m/w/d) /bitte auch in Corona-Zeiten bewerben!“, sondern darum, herauszufinden, inwieweit das Unternehmen einen potenziellen Bewerber davon in Kenntnis setzt, ob es überhaupt ernsthaft auf Suche ist und wie dann möglicherweise der Bewerbungsprozess oder das Onboarding abläuft. Und da reduziert sich die Zahl der Stellenangebote auf einen Prozentwert unter 1.

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Nun könnten Sie argumentieren, natürlich sind die Unternehmen am Suchen, warum sonst sollten die Unternehmen ausschreiben? So natürlich ist das nicht: Abgesehen davon, dass viele Jobbörsen auch Stellen online haben, die bereits vor der Corona-Krise veröffentlicht wurden und immer mal wieder verlängert werden, ist die Verunsicherung bei potenziellen Bewerbern dennoch groß. Suchen die jetzt wirklich, sind die Jobs aktuell, ist mir ein Arbeitsplatz sicher? So die Fragen, die sich viele stellen.

Gerade weil wir in einer Zeit der Unklarheit und Ungewissheit leben, ist es umso wichtiger, dass Arbeitgeber für Transparenz sorgen und auf diese Weise Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter von morgen zeigen. Transparenz und Wertschätzung sind das A & O im Recruiting  und das nicht nur in Zeiten von Corona, nun aber umso mehr. Weil es in unsicheren Zeiten Vertrauen braucht. Und das verspielen viele Arbeitgeber gerade. Umso naheliegender wäre es dann doch, potenzielle Bewerber entsprechend zu informieren und Antworten zu liefern für Klarheit zu sorgen.

Bei den Unternehmen, die in irgendeiner Form darauf aufmerksam machen, dass sie trotz Corona rekrutieren und wie möglicherweise Bewerbungsprozess und Onboarding ablaufen, zeigen sich verschiedene Muster:

  • „Trotz Corona…“ im Stellentitel
  • Corona-Infos im Einstiegstext der Stellenanzeige
  • Die „Covid-19-Erklärung“ in der Bewerbungsaufforderung
  • Darstellung „Corona-gerechter“ Arbeitsbedingungen
  • Darstellung von „Trotz Corona“-Benefits, also ein Aufgreifen unter dem Punkt „Was wir bieten“

Manche Arbeitgeber sind in ihren Darstellungen recht konkret, andere wiederum lassen viel Platz für Interpretation. Aus diesem Grund hier ein paar abschließende Handlungsempfehlungen:

  • Kommunizieren Sie klar, dass Sie auch zu Corona-Zeiten einstellen
  • Der Stellentitel ist dazu weniger geeignet. Einfach deswegen, weil ein (Stellen)-Titel nicht wesentlich mehr als 60 Zeichen haben sollte, da er sonst nur unvollständig in Suchen, primär aber bei Google, angezeigt wird. Meine Empfehlung: Nutzen Sie den Einstiegstext für entsprechende Informationen.
  • Ergänzen Sie Hinweise zum Bewerbungsprozess während Corona nicht nur in den auf Jobbörsen veröffentlichten Stellenanzeigen, sondern auch in denen auf Ihrer Karriere-Website!
  • Informieren Sie darüber, dass Sie trotz Covid-19 auch weiter aktiv sind, unmittelbar auch auf der Karriere-Startseite und im Rahmen der Jobsuche. Platzieren Sie zumindest einen Teaser/Störer, der auf eine entsprechende Unterseite verweist. Hier eignet sich beispielsweise die Seite, die Sie (hoffentlich) zum Thema Bewerbungsprozess bereitstellen.
  • Informieren Sie darüber, wie der aktuelle Bewerbungsprozess bei Ihnen abläuft und welche Voraussetzungen es dafür braucht (Technik, Equipment…) Hinweise, dass es möglicherweise gerade etwas länger dauert, sind ebenfalls hilfreich.
  • Informieren Sie darüber, wie die Einstellung (das Onboarding) erfolgt. Ob erst nach der Corona-Pandemie (wenn Sie das Datum denn wissen) oder auch zeitnah. Gibt es ein virtuelles Onboarding, muss der Mitarbeiter anreisen, wenn ja: wie sehen die Verhältnisse vor Ort aus, wie ist der Mitarbeiter gegebenenfalls geschützt?

Grundsätzlich gilt: Je transparenter Sie agieren, je offener und ehrlicher Sie gegenüber potenziellen Mitarbeitern sind, umso dankbarer werden diese sein (und sind im Zweifelsfall auch bereit, zu warten). Und umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt Bewerbungen eingehen und Sie trotz Corona im Recruiting profitieren.

Weitere Beiträge aus der Kolumne:

Viel Zeit wegen Co­ro­na? Wie Recrui­ter sie sinnvoll nutzen

Azubi-Marketing: Das sind die aktuellen Defizite

Der Fachkräftemangel ist Ausdruck verkrusteter Strukturen!

Der Recruiting-Wunschzettel

It’s the Zielgruppe, stupid!