Gesundheitsförderung: Wie messen Unternehmen den Erfolg?

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(c) gettyimages/Halfpoint
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Der ROI allein reicht nicht, um den Wert betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen zu bestimmen. Wichtig ist auch: mit den Mitarbeitern reden.

Die Deutschen starten mit vielen neuen Vorsätzen in das Jahr 2019. Vor allem wollen sie mehr für ihre Gesundheit tun und sich häufiger bewegen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, gute Vorsätze allein reichen nicht: Die führenden Krankenkassen prognostizieren weiter eine steigende Zahl von Übergewichtigen in Deutschland. Bereits zwei Drittel der Erwachsenen sind übergewichtig.

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Die Gründe liegen in einer hochkalorischen Ernährung und in mangelnder Bewegung. Mangelnde Bewegung verstopft die Gefäße. Betroffene leiden unter Konzentrationsschwächen und Leistungsstörungen. Bewegungsmangel lähmt aber auch die Kreativität. Wissenschaftler vom Pennington Biomedical Research Center an der Louisana State University fanden sogar heraus, dass Menschen, die länger als drei Stunden am Tag sitzen, rund drei Jahre früher sterben.

Laut Umfragen führender Unternehmensberatungen wünscht sich jeder zweite Deutsche von seinem Arbeitgeber Unterstützung in der persönlichen Gesundheitsförderung. Denn an ihrem Arbeitsplatz verbringen die Menschen die meiste Zeit des Tages.  Ein Arbeitsumfeld, welches den Mitarbeitern ermöglicht, sich auch während der Arbeitszeit ausreichend zu bewegen, gesund zu ernähren und auch mal abschalten zu können, ist ein großer Faktor für die Motivation und Arbeitsleistung. So können die Mitarbeiter den Arbeitsalltag besser bewältigen und verhalten sich loyaler gegenüber dem Unternehmen.

Betriebliche Gesundheitsförderung clever managen

Durch clevere Bewegungsprogramme kann in der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) das Engagement der Mitarbeiter und das Team-Building schon in kürzester Zeit gestärkt werden. Dies führt nicht nur zu einer großen Identifikation mit dem Arbeitgeber, sondern verbessert auch das Betriebsklima. „Die Arbeit an sich wird als wertvoller erachtet und fördert, so beschrieben es bereits 2003 Moldaschl und Voß, das selbstgesteuerte Handeln“ (,Subjektivierung von Arbeit’, 2003).

Die Ergebnisse solcher Maßnahmen im Unternehmen sind beeindruckend. Bewegungsprogramme können die Produktivität der Mitarbeiter um bis zu 20% steigern. Dies zeigen Vergleichsstudien mit Arbeitsgruppen, die eine niedrigere emotionale Bindung zum Unternehmen haben. (Studie Gallop 2014)

Return on Investment für Gesundheitsleistungen: Zahlt sich BGF aus?

Doch wie lässt sich die Wirkung des Arbeitsumfeldes auf die Leistung der Mitarbeiter messen? Für viele Unternehmen ist hier vor allem der Return on Investment (ROI) von Bedeutung. Dabei wird die finanzielle Investition in Relation zu einem direkten finanziellen „Gewinn“ gesetzt. Da jedoch sowohl Produktivität als auch Leistung immer von der jeweiligen Person und den ständig schwankenden, persönlichen Lebensumständen (Krankheit, Familienverhältnisse, persönliche Motivation) abhängen, ist es unzureichend, den ROI als Mittel zur Bewertung der BGF einzusetzen.

Sinnvoller ist es, die Rückkopplung der Trainingsgruppe nach einer entsprechenden Gesundheitsmaßnahme zu analysieren. Dabei gilt es herauszufinden, wie sich der körperliche Zustand und das Stressmanagement der Teilnehmer nach dem Training kurz- und langfristig verändert hat.

Auch ein Workshop oder ein Vortrag können Akzente bei den Mitarbeitern setzen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, bei der Bewertung auf die Value on Investment-Methode zu setzen. Diese Methode bewertet das Engagement und die Präsenz der Mitarbeiter innerhalb der BGF-Maßnahmen. Damit kann auch eine direkte Verbindung zur Arbeitsleistung gezogen werden. Sie berücksichtigt nicht nur die finanzielle Investition des Unternehmens, sondern stellt Beziehungen zwischen Produktivität, Engagement und Belastbarkeit der Mitarbeiter her, in dem man z.B. untersucht, wie sich das Training einer „bewegten Mittagspause“ oder einer Yoga-Session auf den körperlichen Zustand im Laufe des Arbeitstages auswirkt.

Fühlen sich die Mitarbeiter unterstützt? Was hat sich verändert und wie verändert sich das Miteinander der beteiligten Mitarbeiter untereinander? BGF-Maßnahmen in Form von Trainings, Vorträgen, Seminaren oder Workshops, die konkreten Bezug auf die Gesundheitsförderung der beteiligten Mitarbeiter haben, sollten also auf Grundlage direkter Auswertungen und subjektiven Erfahrungen erfolgen. Eine Auswertung hinsichtlich trivialer Kennzahlen wie Fehltage oder Ausfallzeiten der Mitarbeiter machen in Bezug auf die Investments im BGF weniger Sinn.

Ein langfristiges Investment in eine Maßnahme im BGF trägt zur Veränderung der Mitarbeiter und der Unternehmenskultur bei. So entsteht aus dem Investment ein Werteverständnis im Unternehmen. Dieses Investment zahlt sich langfristig aus, spiegelt sich aber in Produktivität, Zusammenhalt und einem intrinsischen Unternehmens-Involvement wider. Zu Neudeutsch: Unternehmen entwickeln ihre Mitarbeiter zu Corporate Influencern.