Fünf Tipps, wie Sie Fachkräfte zugkräftiger ansprechen

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(c) gettyiamges/Maskot

Fachkräfte lassen sich durch andere Argumente für einen Arbeitgeber überzeugen als Akademiker. Unternehmen sollten folgende Punkte beachten, um ihr Interesse zu wecken.

Es sind nicht nur IT-Spezialisten, die auf der Suchliste von Unternehmen ganz oben stehen. Die im Juni 2018 veröffentlichte Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Das Angebot an Arbeitskräften auf dem Markt für Fachkräfte mit Berufsausbildung hat sich seit einem Jahr in vielen Funktionen weiter ausgedünnt. Stellen in der Altenpflege zum Beispiel bleiben mittlerweile im Durchschnitt 175 Tage unbesetzt, bei Klempnern sind es sogar 183 Tage. Eine Studie des Stellenmarkts meinestadt.de gibt Hinweise, wie Arbeitgeber nicht-akademische Fachkräfte vor diesem Hintergrund besser gewinnen und binden können.

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1. Jobzufriedenheit als Argument nutzen

Einer der ärgsten Wettbewerber im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen ist das Studium. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich nach der Schule für einen akademischen Weg. Die Studie von meinestadt.de zeigt: Ein Studium macht jedoch nicht unbedingt zufriedener. Dazu wurden sowohl Akademiker als auch Nicht-Akademiker befragt. Dem Statement „Alles in allem ist mein Job gut“ stimmten 63,2 Prozent der Akademiker und 61,7 Prozent der Nicht-Akademiker zu. Die geringe Abweichung belegt, dass Menschen mit abgeschlossener Ausbildung ähnlich zufrieden mit ihrem Job sind wie Akademiker. „Hat Sie das Studium beziehungsweise die Ausbildung gut auf Ihren Job vorbereitet?“ Hier schneidet die Ausbildung mit 60,8 Prozent „gut bis sehr gut“-Anteilen in der Benotung durch die Nicht-Akademiker sogar deutlich besser ab als das Studium bei den Akademikern (34,2 Prozent). Arbeitgeber können im Recruiting Mitarbeiter als Kronzeugen für eine hohe Jobzufriedenheit bei ihren Fachkräften nutzen.

2. Gesundheitsmanagement optimieren

58,6 Prozent der befragten Nicht-Akademiker leiden unter Rückenschmerzen, bei den Akademikern sind es 48,7 Prozent. Dass die körperliche Komponente in einigen Ausbildungsberufen ausgeprägter ist als bei Akademikern, liegt nahe. Aber auch in nicht-akademischen Berufen können Stress-Symptome wie Schlafstörungen und Kopfschmerzen auftreten. Ein umfassendes Gesundheitsmanagement, das direkte körperliche Auswirkungen der Arbeit ebenso in den Blick nimmt wie psychische Belastungsfaktoren, ist nicht nur eine gute Investition in die Bindung von Mitarbeitern in nicht-akademischen Mangelberufen. Es lässt sich auch als Argument für eine positive Arbeitskultur in Stellenanzeigen und auf der Karrierewebsite nutzen.

3. Regional rekrutieren

31,7 Prozent der Akademiker würden für einen „spannenden Job“ in eine andere Stadt ziehen, aber nur 17,0 Prozent der Nicht-Akademiker. 18,2 Prozent der Akademiker würden das tun, wenn sie dadurch ihr Einkommen erhöhen. Bei den Nicht-Akademikern sind es 21,4 Prozent. Das bedeutet: Knapp die Hälfte der Akademiker ist grundsätzlich mobil, aber nur 38,4 Prozent der Nicht-Akademiker. Akademiker sind also weniger mobil als ihr Ruf. Der Großteil der Nicht-Akademiker bewirbt sich wahrscheinlich ausschließlich regional. Wenn überhaupt, dann sind Fachkräfte mit Berufsausbildung eher durch „harte“ Arbeitgeberleistungen zu einem Umzug zu motivieren als durch das Versprechen eines „spannenderen“ Jobs. Junge Fachkräfte sind dabei tendenziell etwas mobiler als ältere. Für Arbeitgeber heißt das: Recruiting von Fachkräften funktioniert in aller Regel regional. Eine überregionale Strategie macht es bei Bedarf nötig, gleichzeitig finanzielle Anreize zu bieten.

4. Sinn der Arbeit für Bindung und Gewinnung entdecken

Auch die Mehrheit der Nicht-Akademiker sieht in der Arbeit mehr als eine reine Verdienstmöglichkeit: „Würden Sie nach einem Millionengewinn im Lotto weiterarbeiten?“ 64,2 Prozent der Nicht-Akademiker antworten hier mit „Ja“, bei den Akademikern sind es 72,5 Prozent. Der „Sinn der Arbeit“ ist deshalb kein „Luxusproblem“ akademischer Zielgruppen. Verbesserungen in „Zusammenarbeit, Führung und individuellen Entwicklungsmöglichkeiten“ erhöhen auch bei Fachkräften die Bindung an den Arbeitgeber. Zugleich bietet der Sinnfaktor Potenziale für eine differenzierende Kommunikation der Arbeitgeber, etwa indem Fachkräfte aus dem Betrieb in ihren eigenen Worten berichten, wann ihnen bei der Arbeit „das Herz aufgeht“.

5. Spezifische Argumente für Fachkräfte einsetzen

Welche Faktoren entscheiden über die Wahl der Ausbildung oder des Berufs? Die beiden untersuchten Gruppen zeigen hier unterschiedliche Prioritäten. Bei den Nicht-Akademikern ist die Wahl des Berufs nach Interessen mit 54,2 Prozent zum Beispiel deutlich schwächer ausgeprägt als bei den Akademikern (70 Prozent). Zugleich spielt „Sicherheit“ eine wesentlich größere Rolle (41,6 Prozent Nicht-Akademiker, 15,8 Prozent Akademiker).
Darauf sollten Arbeitgeber in ihrer Kommunikation Rücksicht nehmen und sich nicht von Denk-, Schreib-, und Sprechgewohnheiten leiten lassen, die sich in der stark akademisch geprägten Employer Branding-Praxis der letzten Jahre herausgebildet haben. Für 26,8 Prozent der Nicht-Akademiker spielt der „Rat der Eltern“ für die Berufswahl eine große Rolle, bei den Akademikern sind es nur 11,8 Prozent. Eltern gehören im Azubi-Marketing unbedingt auf das Zielgruppen-Radar der Verantwortlichen.

Über die Studie

Im April 2018 hat meinestadt.de eine Untersuchung zum Thema „Wie blicken Akademiker und Nicht-Akademiker auf ihre Arbeitswelt?“ durchgeführt. Dabei handelt es sich um die erste wissenschaftliche Studie zu dem Thema, die einen fundierten Vergleich zwischen Nicht-Akademikern und Akademikern zieht. Das Marktforschungsinstitut respondi hat insgesamt 2.068 Teilnehmer dazu befragt. Die Hälfte der Befragten waren Akademiker, die andere Hälfte hat eine Berufsausbildung absolviert. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Martin Kersting von der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt.

 

 

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