Ecosia gibt Mitarbeitern frei für Klima-Aktivismus

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Ecosia gibt Mitarbeitern frei, damit sie an Klimastreiks und ähnlichen Aktionen teilnehmen können.
© gettyimages / DisobeyArt

Ecosia unterstützt es, wenn seine Mitarbeiter sich für das Klima engagieren. Auch, wenn es sich um gewaltfreien zivilen Ungehorsam handelt.

Das Unternehmen Ecosia, bekannt für die gleichnamige Suchmaschine, wagt einen radikalen Schritt, um gegen den Klimawandel vorzugehen: Seine Mitarbeiter dürfen sich während ihrer Arbeitszeit bei Aktionen für den Klimaschutz engagieren, ohne dafür Urlaubstage nehmen oder sich krank melden zu müssen. Das erklärte CEO und Gründer Christian Kroll letzte Woche in einem Blogbeitrag.

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Nicht zuletzt die Waldbrände im Amazonas zeigen: Der Klimawandel ist längst zur Klimakatastrophe geworden. Laut Kroll reiche es deshalb nicht, wenn jeder einzelne sich klimafreundlicher verhalte – vor allem brauche man grundlegende Änderungen in Politik, Gesetzen, Unternehmen und der Gesellschaft im Allgemeinen. Die erreiche man am besten durch Klima-Aktivismus.

Ecosia ist eine ökologische Suchmaschine mit Sitz in Berlin, die 80 Prozent ihrer Gewinne spendet, um Bäume zu pflanzen und gemeinnützige Umweltprojekte zu unterstützen. Kroll und seinen Mitarbeitern liegt Klimaschutz am Herzen. In letzter Zeit hätten sie sich immer mehr dazu verpflichtet gefühlt, an den „Fridays for Future“-Streiks, Trainingssessions der Extinction Rebellion oder an Solidaritätsmärschen für den Hambacher Forst teilzunehmen. „Das spiegelt den von Greta Thunberg inspirierten Trend wider, sich öffentlich für den Klimaschutz zu engagieren“, so Kroll. Die neue Regelung von Ecosia will dieses Engagement anerkennen und unterstützen.

Inhaftierung gilt als Arbeitszeit

Dabei toleriert Ecosia auch zivilen Ungehorsam, solange er gewaltfrei abläuft. Gerade bei der sozialen Bewegung Extinction Rebellion sind Aktionen wie Sitzstreiks nämlich Teil der Strategie. Christian Kroll erklärt sich bereit, alle aufkommenden Kosten zu tragen, wenn seine Mitarbeiter dabei rechtliche Probleme bekommen sollten. Wenn sie bei einer Aktion festgenommen werden sollten, gilt auch die Zeit, in der sie inhaftiert sind, als Arbeitszeit. Einmal mehr zeigt Kroll damit, dass er sein Business-Model lebt und sich voll und ganz dem Klimaschutz verschrieben hat. Letztes Jahr wollte er der RWE den Hambacher Forst für eine Million Euro abkaufen, um zu verhindern, dass der Wald abgeholzt wird. Der Energiekonzern lehnte das Angebot ab.

Wenn auch bisher nur wenige so radikal vorgehen wie Ecosia, positionieren sich doch immer mehr Unternehmen öffentlich als Verfechter des Klimaschutzes. So haben bereits einige Firmen, darunter Naturstrom, Veganz und die GLS Bank, abgekündigt, ihren Mitarbeitern für den Klimastreik am 20. September unter Fortzahlung des Lohns freizugeben.