Das Post-Corona-Office – wie die Rückkehr ins Büro aussieht

Während des Lockdowns befand sich der Großteil der Beschäftigten in Deutschland im Homeoffice. Nun geht es für viele zurück ins Büro. Was ändert sich?
© gettyimages / vichie81

Während des Lockdowns befand sich der Großteil der Beschäftigten in Deutschland im Homeoffice. Nun geht es für viele zurück ins Büro. Was ändert sich?

Nach Monaten im Homeoffice geht es für viele Arbeitnehmer nun wieder zurück ins Büro. Dabei werden sie mit einigen Veränderungen konfrontiert. Sowohl der Arbeitsplatz als auch der Arbeitsalltag werden anders aussehen. Das zeigt vor allem der aktuelle Homeoffice-Trend. Viele Unternehmen haben in der letzten Zeit festgestellt, dass ihre Mitarbeiter auch Zuhause sehr produktiv sind. Als Folge wollen viele deutsche Unternehmen ihren Mitarbeitern auch zukünftig die Möglichkeit bieten, verstärkt von Zuhause aus zu arbeiten. Diese Entwicklung hat auch einen positiven Einfluss auf die Einhaltung der Corona Sicherheitsmaßnahmen: Wenn immer ein Teil des Teams von Zuhause arbeitet, sind nie alle Mitarbeiter zeitgleich im Office, was die Einhaltung von Abstandsregelungen enorm vereinfacht. Gleichzeitig ergeben sich hierdurch große Chancen und Möglichkeiten, die Nutzung des Büros zu überdenken.

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Hygiene steht zunächst an oberster Stelle

Bei der Rückkehr ins Büro müssen Unternehmen vor allem darauf achten, die Einhaltung von Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen sicherzustellen. Das kann über zwei Wege erfolgen: Durch Verhaltensveränderungen im Team oder durch die Umgestaltung der Räumlichkeiten. Eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen lässt sich erst einmal sehr gut durch Verhaltensveränderungen erzielen, die dabei helfen, genügend Abstand untereinander einzuhalten. So kann man die Regel einführen, nach oben den Aufzug und nach unten die Treppe zu nehmen. Oder im Sommer können Team-Meetings an die frische Luft verlegt werden. Zusätzlich können Visualisierungen im Büro hilfreich sein. Beispielsweise können Markierungen auf dem Boden daran erinnern, genügend Abstand zu den Kollegen einzuhalten.

Daneben sollten auch kurzfristig Veränderungen der Räumlichkeiten vorgenommen werden, falls das Büro von sich aus nicht den Raum bietet, dass die Mitarbeiter immer genügend Abstand zueinander halten können. Beispielsweise können Meeting-Räume oder Aufenthaltsbereiche zu Arbeitsplätzen umfunktioniert werden. Falls dies aufgrund von Platzmangel nicht möglich sein sollte, können auch Trennwände und Spritzschutz an den Tischen aufgestellt werden.

Das Büro wird kleiner

Neben solchen kurzfristigen Änderungen zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen wird sich das Büro auf lange Sicht weitaus grundlegender verändern. Dabei spielen vor allem die Erfahrungen eine Rolle, die aktuell mit dem Thema Homeoffice gesammelt wurden. Aus meiner Sicht wird künftig eine hybride Form aus Homeoffice und Büro das Arbeitsleben bestimmen. Die Mitarbeiter werden zwischen Homeoffice und Büro wechseln. Demzufolge werden nicht mehr alle Mitarbeiter gleichzeitig im Büro sein. Deshalb werden nur noch etwa 30 bis 50 Prozent der Arbeitsplätze gebraucht. Das Post-Corona-Office wird also eher kleiner statt größer. Es geht nicht darum, mehr Platz zu schaffen, sondern die vorhandene Fläche neu zu denken und anders zu nutzen als bisher. So wird es weniger Tische geben, wodurch ein Großteil der Fläche mehr für Kultur- und Meeting-Räume genutzt werden kann. Die Bürofläche wird also kleiner, während die Fläche zur Interaktion größer wird. Insgesamt werden die Räume in ihrer Nutzung flexibler.

Das Post-Corona-Office ist wohnlicher

Darüber hinaus wird die Bürogestaltung generell wohnlicher – sicherlich ein Einfluss durch die Zeit im Homeoffice. Während Büros vorher mit zwei oder drei Büromöbelmarken ausgestattet wurden, sprechen wir heute von durchschnittlich 40 unterschiedlichen Marken. Dabei kommt ein nicht unbeachtlicher Teil von Herstellern aus dem Bereich Living. Das sind beispielsweise Lampen oder klassische Esszimmerstühle, die für Aufenthaltsbereiche genutzt werden.

Ein Aspekt, der ebenfalls durch die Zeit im Homeoffice geprägt ist, ist der Wunsch nach Abwechslung: Zuhause konnten Mitarbeiter zwischen Sofa, Esstisch, Schreibtisch und Balkon wechseln – diese Flexibilität wünschen sie sich auch im Büro. Deshalb sollten dort zukünftig verschiedene Bereiche zum Arbeiten angeboten werden, zwischen denen die Mitarbeiter nach Bedarf wechseln können. Kleine, ruhige „klassische“ Arbeitsbereiche für konzentriertes Arbeiten, aber auch loungige Bereiche für entspanntes Arbeiten mit mehreren Personen oder ein Meeting bei einem Kaffee.

Das Büro als Ort der Begegnung

Aus meiner Sicht können wir uns also auf kleinere, aber wohnlichere Büros freuen, die uns mehr Platz zur Interaktion mit Kollegen bieten. Aufgaben, für die man Ruhe braucht, können im Homeoffice bearbeitet werden, während man sich zum gemeinsamen Austausch und Arbeiten im Büro trifft. Mit der Veränderung der Büroeinrichtung geht also auch eine Entwicklung der Arbeitskultur einher. Das Büro wird sich von einem Ort zum Arbeiten zu einem Ort der Zusammenkunft entwickeln. Hier sehe ich auch die große Chance des Post Corona Office: Durch seine neue Funktion als “Ort der Begegnung” kann es noch mehr dabei helfen, das “Wir-Gefühl” unter den Mitarbeitern zu stärken. Und ein solches Gemeinschaftsgefühl ist grundlegend für erfolgreiches Zusammenarbeiten in Unternehmen – das galt schon vor Corona und wird nach Corona umso wichtiger.

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