Bleisure Travel macht Mitarbeiter produktiver

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(c) gettyimages/Uwe Umstaetter
(c) gettyimages/Uwe Umstaetter

Bleisure Travel ist beliebt. Welche Gründe sprechen für die Kombination von Geschäftsreisen und Kurzurlaub? Was sollten Unternehmen dabei beachten?

Mit einem kostenfreien Müsli in den Arbeitstag starten, den Bürohund in der Mittagspause knuddeln und nach Feierabend noch im firmeninternen Fitnessstudio Gewichte heben: Die Goodie-Liste der Unternehmen für ihre Mitarbeiter ist lang – ganz gleich, ob Startup, Konzern, oder Agentur. Doch überwiegend kratzen Arbeitgeber noch immer an der Oberfläche, wie eine aktuelle Studie zeigt: 38 Prozent der 18- bis 35-jährigen geben weltweit an, dass sie erwarten, innerhalb der nächsten zwei Jahre den Job zu wechseln . Sind die Millennials denn nie zufrieden?

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Arbeitgeber nehmen die Sichtweise der Generation Y ein

Der Knackpunkt ist aus meiner Sicht ein anderer: Es geht weniger um „immer mehr“, als vielmehr um „das Richtige“. Wenn die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben weiter verschwimmen, erfordert dies Empathie für die Bedürfnisse der so dringend benötigten Fachkräfte. In der Praxis heißt das: Arbeitgeber schlüpfen in die Rolle des (besten) Freundes – und müssen geeignete Rahmenbedingungen zur Pflege der Freundschaft schaffen. Der Schlüssel kann hierbei eine Maßnahme sein, die der Generation Y ein Gefühl von Selbstbestimmung und Freiheit gibt: Bleisure Travel – die Kombination aus geschäftlichen Reisen („Business“) und freier Zeit am Aufenthaltsort („Leisure“). Mit dieser Freizeitkomponente greifen Arbeitgeber den Drang nach Selbstbestimmung und Freiheit dieser Generation auf – und werben damit nicht nur Mitarbeiter an, sondern halten sie auch.

Gesteigerte Produktivität mit der Business-Leisure-Kombination

Die Anzahl der Geschäftsreisen ist in Deutschland in den letzten Jahren stetig gestiegen. Jüngere Mitarbeiter zwischen 18 und 34 Jahren sehen dieser Entwicklung laut einer aktuellen Studie des Reiseverbands DRV entgegen – fast die Hälfte dieser Altersgruppe gibt an, auf Reisen deutlich produktiver zu sein als im Büro. Die Vorteile von Bleisure Travel in diesem Zusammenhang:

  • Arbeiten wird zum Erlebnis
    Die Generation Y findet Geschäftsreisen schon per se aufregend – kombiniert mit ein paar freien Tagen verdoppelt sich die Vorfreude. So ist die Stimmung beim Kunden vor Ort lockerer, wenn Mitarbeiter wissen, dass sie nach dem Termin nicht gleich zum Flughafen hetzen müssen. Ein weiteres Plus: Der reisebedingte Stress verringert sich und im Idealfall sinkt auch die Krankenrate.
  • Zeit- und Kosteneinsparung auf beiden Seiten
    Sowohl Mitarbeiter als auch Arbeitgeber können mit Bleisure Travel sparen: Lange An- und Abreisezeiten sowie die damit verbundenen Kosten entfallen für den Arbeitnehmer und Flüge außerhalb der Rush-Hour sind meist kostengünstiger.
  • Identifizierung mit Land und Kultur – Verständnis für den Kunden
    Ein Mitarbeiter sieht auf Geschäftsreisen selten mehr als den Kunden vor Ort und maximal die örtlichen Lokalitäten. Mit Bleisure Travel lernt er Land und Leute, Sprache und Kultur besser kennen – und somit auch den Kunden.

Ausgeglichene Mitarbeiter kommen produktiver ins Büro zurück. Und: Sie fühlen sich dem Unternehmen verbunden.

Reiserichtlinien sind unabdingbar

Vor der Implementierung von Bleisure Travel ist eine gute Vorbereitung vonnöten. Klare Richtlinien müssen vor dem Roll-out im Unternehmen feststehen:

  1. Grenzen ziehen und klar benennen: Um wie viele Tage darf der geschäftliche Aufenthalt privat verlängert werden? Wie definiert das Unternehmen einen Arbeitstag? Wenn der Mitarbeiter von 8.00 bis 10.00 Uhr einen geschäftlichen Termin wahrnimmt und den Rest des Tages privat unterwegs ist, sollte vorab feststehen, ob der ganze Tag als geschäftliche Zeit gelten kann. Im Idealfall spielen Sie mögliche Szenarien vorab durch.
  2. Transparenz schaffen: Wer bezahlt was? Eine gute Lösung für beide Seiten ist es, wenn der Arbeitgeber den Hin- und Rückflug (beziehungsweise Bahnkosten oder Kilometergeld) und alle geschäftlichen Ausgaben übernimmt und der Mitarbeiter für alle privaten Aufwendungen aufkommt. So wird Bleisure Travel nicht zur Kostenfalle und der Arbeitgeber rechnet maximal mit gleichbleibenden Ausgaben. Noch wichtiger sind die strikte Trennung der geschäftlichen und privaten Kosten und eine genaue Aufstellung.
  3. Rechtliche und steuerliche Belange klären: Einer der wichtigsten Punkte und vielleicht die größte Hürde ist die Klärung, wann der Mitarbeiter über die Firma versichert ist – und wann nicht. Dieser Aspekt sollte vorab genauestens mit der Rechtsabteilung abgestimmt und an die Mitarbeiter klar kommuniziert werden. Darunter fallen auch potenzielle Risiken im jeweiligen Land sowie riskante Freizeitaktivitäten. Auch steuerliche Auswirkungen bedürfen einer Diskussion (so zum Beispiel der geldwerte Vorteil, wenn der Arbeitgeber private Kosten übernimmt).
  4. Buchung vereinfachen: Wie handhaben Unternehmen den Buchungsprozess bei Bleisure-Reisen? Besteht beispielweise die Möglichkeit, dass Mitarbeiter den privaten Hotelaufenthalt über den geschäftlichen Buchungskanal abwickeln und so ihre Kosten für die Urlaubstage senken können?
  5. Intern kommunizieren: Nichts ist schlimmer, als wenn Sie bei der internen Kommunikation die Beweggründe für Bleisure Travel nicht eindeutig nachvollziehbar darstellen, vorab keine Richtlinien definieren oder sich den Fragen der Belegschaft nicht stellen. Seien Sie vorbereitet.

Bleisure Travel kann einen echten Mehrwert liefern. Damit sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren, sollten die beteiligten Abteilungen jedoch vorab rechtliche, organisatorische und strukturelle Reglements ausarbeiten – so steht einem Bleisure-Trip und entspannten Mitarbeitern nichts mehr im Wege.

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